Pferdekranheiten
W. Dieckerhoff, 1885
Bearbeitet von Ron Täubert, Wiesbaden/Hessen
Zweite Ciasse. Durch thierische Parasiten verursachte Krankheiten*).
Capitel XXX. Bandwürmer. Cestodes.
Für die specielle Lehre der Pferdekrankheiten sind die Bandwürmer nach der bisherigen Erfahrung von geringer Bedeutung. Im Dünndarm des Pferdes kommen von den eigentlichen Ban dwürmern (T a e n i a d a e) drei Speciesvor: 1. Taeniapli-cata; 2. T. mamillana; 3. T. perfoliata. Die letztgenannte Bandwurmspecies wird am häufigsten gefunden. Dass diese Parasiten eine Störung der Gesundheit herbeiführen, ist nicht mit Sicherheit zu entscheiden. Megnin (vergl. Oesterr. Revue, 1879) hat die Bildung eines Dünndarm-Divertikels und die Perforation der Darmwand mit consecutiver Peritonitis in einigen Fällen auf das Schmarotzerthum der Taenia perfoliata zurückgeführt. Indess steht diese Behauptung mit der Lebensweise der Bandwürmer nicht im Einklang. Da andererseits der Entstehung eines Darmdivertikels andere Ursachen zu Grunde liegen können, so kann ich die Interpretation der betreffenden Krankheitsfälle nicht als gesichert betrachten. — Einstweilen lässt sich nur die Möglichkeit zugestehen, dass von dem bei Pferden sehr oft vorkommenden chronischen Appetitmangel einzelne Fälle mit dem Parasitismus der Bandwürmer in ursächlichem Zusammenhange stehen können. Indess verräth sich das Vorhandensein der sehr kleinen Bandwürmer durch bestimmte Symptome nicht. Es ist daher nicht ausführbar, die Diagnose derselben intra vitam zu motiviren. Die zoologische Charakteristik der Parasiten liegt nicht im Rahmen dieses Lehrbuchs. Es können hier auch nur diejenigen Schmarotzer eine Berücksichtigung finden, welche nachweislich eine Störung der Gesundheit bedingen oder für die Ursache bestimmter Krankheiten gehalten werden. Auf die wichtigsten Specialarbeiten über die Naturgeschichte der thierischen Parasiten werde ich an den geeigneten Stellen aufmerksam machen. Zur allgemeinen Orientirung verweise ich auf: Gurlt, Pathologische Anatomie, Berlin 1831; Zürn, Thierische Parasiten, Weimar 1882 und Roll, Pathologie und Therapie, Wien 1885.
Symptome und Verlauf
TDas in der Herbstzeitlose befindliche Gift (Colchicin) erzeugt: 1. eine diffuse Reizung der Gastro-Intestinalschleim-haut; 2. eine Reizung in den Nieren und in der Schleimhaut der Harnwege; 3. Lähmung der motorischen Apparate des Rückenmarks; 4. De-' pression dos ßewusstsoins bis zu förmlichem Sopor. — Als Krankheitszeichen treten Kolik, vermehrte Speichelabsonderung, Schluckbeschwerde, Röthung der Conjunctiva, Durchfall, Drang zur Harnentleerung, Puls-l'roquonz mit starkor Verminderung des Blutdrucks und Athembeschwerde ein. Wonn die lntoxication einen höheren Grad erlangt, so bekunden dio Pferde ausserdem noch schwankenden Gang, Eingenommenheit des ßewusstsoins, zuweilen Unvermögen zum Stehen, Unempfindlichkeit der Haut und grosso Unruhe. Friedberger (Adam's Wochenschr., 1871) fand bei einem Pferdo heftiges Herzklopfen. — Die lntoxication tritt 5—15 Stunden nach dem Genüsse der Herbstzeitlose hervor. In den erheblichen Krankheitsgraden gehen die Pferde unter den Symptomen des Erstickungstodes ein. Die Dauer erstreckt sich auf 1—3 Tage. Leichtere Fälle nehmen' bei zweckmässiger Behandlung einen günstigen Verlauf. Indess verzögert sich die Genesung meist auf i—8 Tage. •
Pathologische Anatomie. Diffuse Entzündung der Magen-Darmschleimhaut; Darminjfalt flüssig, durch blutige Beimischungen röthlich braun gefärbt. In d^n venösen Gefässen dunkles, flüssiges oder schwach coa-gulirtes Blut. Die serösen Häute, das Herz, die gieren und die Schleimhäute, .enthalten Zahlreiche hämorrhagische Herde.'-