Prognose. Im Allgemeinen ungünstig. Entscheidend für die Beurteilung einzelner rälle ist die geringere oder höhere Herzschlagfrequenz und der Grad deivepression des Bewusstseins.


Therapie.

Die Behandlung ist nach symptomatischen Indicationen einzurichten. Gegen die Diarrhoe sind schleimige Mittel mit Opium, später' Tannin (5,0—10,0 zweimal täglich) in wässeriger Lösung angezeigt. Dem Trinkwasser wird zweckmässig Acid. hydrochlor. zugesetzt. Zur Be­kämpfung der nervösen Symptome empfehlen sich neben der diätetischen Pflege erregende Mittel in Form von Inhalationen.

Von den im engeren Sinne als „Vergiftungen" zu deflnirenden Krankheiten dps
Pferdes habe ich in diesem Lehrbuch nurdiejenigenÄffectionen berücksichtigen können,
welche mit der Futteraufnahme zur Entstehung gelangen. Die Darstellung der durch
unvorsichtige Anwendung grosser Gaben von arzneilichen Giften und der durch me­
tallische Präparate aus Bergwerken, Fabriken etc. verursachten Erkrankungen fällt -
in das Gebiet der Materia medica und Toxikologie.

Wenn eine Behandlung gegen die vermeintlich vorhandenen Tänien bei Pferden gerichtet werden soll, so würde sich eine volle Dosis von Flores Koso (10,0—30,0) mit Semen Cinae (50,0) in Latwergenform und demnächst die Verabreichung eines drastischen Abführmittels empfehlen.

Die Blasenwürmer (Larven von Tänien, welche bei anderen Thieren schma­rotzen) finden sich bei Pferden nur ganz ausnahmsweise. Am Bauchfell wird in seltenen Fällen der röhrenförmige Blasenschwanz (Cysticercus fistularis) bei Sectionen angetroffen. Die dieser Larve angehörende, im Körper einer anderen Thiergattung schmarotzende Tänie ist nocht nicht bekannt. Dass der Cysticercus fistularis eine Krankheit resp. eine chronische Peritonitis verursachen könnte, lässt sich nach der bisherigen Erfahrung nicht behaupten.

Echinokokken (Larven der Taenia Echinococcus des Hundes) werden bei Pferden nur ganz vereinzelt angetroffen. Ich fand bei derSection einer vierzehn)'ährigen Stute veredelter Abkunft in der Milz eine gänseeigrosse sterile Echinococcusblase, die aber keine nachtheilige Wirkung gehabt hatte. Vachetta (Clin. vet., 1882) unter­suchte eine Knochengeschwulst im linken Unterkieferaste eines Pferdes, welche zahlreiche Echinococcusblasen enthielt. Bollinger (Kolik der Pferde. München 1870, S. 141) berichtet über 2 Präparate von Pferden, bei welchen ein Echinococcus in der Wandung der Brustaorta resp. der Bauchaorta sich entwickelt hatte.

Seit mehr als 50 Jahren wird in der thierärztlichen Literatur die Angabe wieder­holt, dass der Coenurus cerebralis (die Larve der bei Hunden schmarotzenden Taenia Coenurus) in seltenen Fällen auch im Gehirn des Pferdes vorkomme und dann den Dummkoller veranlasse. Gurlt (Pathol. Anat., 1831., S. 324) bezieht sich dabei auf eine Mittheilung des Thierarztes Frenzel(Tennecker's Zeitung, Bd. IV). Die betreffende kurze Krankengeschichte ist später von Tennecker (Jahrb., Bd. XII., Weimar 1836, S. 99) zum zweiten Male veröffentlicht worden. Sie bezieht sich auf ein „zweijähriges Pferd", welches vorberichtlich seit einem Jahr zu manchen Zeiten im Kreise herumlief und dann plötzlich auf einem Fleck stehen blieb. Frenzel ,,fand das Pferd ganz abgezehrt, beim Herumführen träge und unempfindlich, die Schenkel etwas höher, als gewöhnlich hebend, die Pupille erweitert, die Physiognomie melancholisch. Doch blieben alle diese Symptome, wie sein besonderes Benehmen des im Kreise Herum­gehens von denen des gewöhnlich vorkommenden Dummkollers verschieden. Das Pferd starb an Auszehrung. Bei der Oeffnung des Cadavers fand ich alle Eingeweide der Brust- und Bauchhöhle gesund. Ich öffnete nun behutsam die Gehirnhöhle und fand hier die Ursache der Krankheit und des Todes, nämlich eine grosse Wasserblase, die zwischen dem grossen und kleinen Gehirn mitten inne lag und ungefähr mit vier Loth (gleich 16,0 Gramm) Wasser angefüllt sein konnte. An .den Häuten derselben hing eine unbeschreibliche Menge kleiner Körperchen in der Gestalt und Grösse eines Hirse­korns".— Die „kleinen Körperchen" sind als,,Pacchionische Granulationen" anzusehen und die Wasserblase kann ebensogut ein Echinococcus, wie ein Coenurus gewesen sein. — Gerlach (Gerichtl. Thierheilk., 2. Aufl., S. 257) erhielt vom Thierarzt Oeltjen eine kopflose Hydatide aus dem Gehirn eines Pferdes zugeschickt, welches die Erscheinungen des Dummkollers bekundet hatte. — Solche sehr seltene Befunde ohne Weiteres mit dem Coenurus cerebralis der Schafe zu identificiren, erscheint nicht berechtigt, und zwar um so weniger, als in den Gegenden, in welchen die Drehkrankheit der Schafe und Rinder häufig auftritt, die Pferde von dieser Affection nachweislich nicht betroffen werden.