Capitel XXXI Anneliden. Nemaihflmlntha.

Aus derQruppe der Rundwürmer sind nnrwenlKeflattunjrpin für die Aetiologie derPferdoknuikheiton von erheblichem Interesse. Der im Magen dos l'l'erdiw schmarotzende Rollschwanz (Spiroptera megastoma s. Filaria niogastoma) verursacht in der rechten Hälfte der Magenschleimhaut flaoho Schwellungen von dum Umfange einer Haselnuss bis eines Taubeneies. Die Herde werden von dem eiterigen Inhalt an mehreren kleinen Stellen durchbrochen. Bei einzelnen Pferden setzt sich die durch das Schmarotzerthum der Würmer unterhaltene locale Entzündung auf den peritonealen Ueborzug des Magens fort, an welchem sich eine schwartige Verdickung ausbildet. Dooh ist bisher nicht festgestellt worden, dass durch diese Veränderungen eine er­hebliche Krankheit der Pferde entsteht. — Die Diagnose einer solchen Magenentzün­dung ist bei dem seltenen Vorkommen und iiv Ermangelung bestimmter Symptome nicht ausführbar. Da die Parasiten in den Kntzündungshordon für dio Medloation nicht erreichbar sind, so kann auch ein« l'rävontivbehandlung nicht von Erfolg sein. Unschädlich ist forum- der Pfriemensohwanz (Oxyuris curvula), der im Coecum und Colon zuweilen in grosser Zahl schmarotzt. Aehnlicb, wie der Oxyuris dos Monsohen am Anus einen heftigen Juckreiz bedingen kann, soll nach der Ver-muUiung von Zürn durch das Ausschlüpfen trächtiger Oxyurisweibchen aus dem Darm eine juckende und brennende Empfindung am After der Pferde verursacht, werden. Die Literatur enthält in dieser Hinsicht nur eine specielle Beobachtung (Pflug, Oesterr. Revue, 1881, S. 81), nach welcher bei einem Pferde der „Schweifgrind" auf die Embryonen der Oxyuris zurückzuführen war. — Wenn eine Behandlung gegen den durch die Oxyuris veranlassten Juckreiz ausgeführt werden soll, so empfiehlt sich die öftere Waschung des Afters und der Schweifrübe mit Spiritus und Wasser, sowie die Einreibung von Glycerin. Ausserdem können Infusionen von warmem Mehlwasser in den Mastdarm nützlich sein.

Der warzige Fadenwurm (Filaria papulosa) lebt in der Bauchhöhle und zuweilen in der Brusthöhle des Pferdes. Abildgaard, der diesen Parasiten „Gordius equinus" benannte, fand ihn auch auf der Pia mater cerebralis. Indess ist nicht erwiesen, dass er an den Hirnhäuten eine entzündliche Reizung veranlasst. Gurlt (Pathol. Anat., S. 341) erwähnt eines alten Pferdes, bei welchem er ein männliches Exemplar von Filaria papulosa in der vorderen Augenkammer ermittelte. Mehrere andere Fälle sind in der älteren Literatur mitgetheilt. Der Wurm soll durch seine beständige Bewegung eine Ophthalmie mit Trübung der wässerigen Feuchtigkeit und Verdunkelung der Hornhaut verursachen können.

Der Spulwurm des Pferdes. Ascaris megalocephala.

Der Spulwurm des Pferdes findet im Dünndarm die Bedingungen seiner Ent-wickelung. Nachdem er daselbst ausgewachsen ist, verlässt er seinen Wohnsitz mit dem Futterbrei. Dann hält er sich eine kurze Zeit im Dickdarm auf. Seine kus-(scheidung resp. Auswanderung erfolgt mit den Excrementen.

Das Leben der Ascariden vollzieht sich, wie bei allen Rundwürmern, in zwei Generationsphasen. Indess ist das Verhalten der Embryonen und die Art und Weise ihrer Aufnahme in den Darm noch nicht sicher festgestellt. Leuckart u. A. halten es für möglich, dass die Embryonen zuerst in einen Zwischenwirth (Insectenlarven) gerathen und hier gewisse Eigenschaften erlangen müssen, um sich im Darm des Wohnthieres zur Geschlechtsreife ausbilden zu können. Doch ist nicht ausgeschlossen, dass sich dio Embryonen ans den Eiern, wolclio mit den Excrementen entleert werden, schon im Wasser oder in feuchter Krde entwickeln können. Ihre Aufnahme geschieht mit dorn Futter oder mit dein Trinkwasser. Bevor sio im Darm des Trägers die Ge­schlechtsreife erlangen, machen sie verschiedene Hiiutungsproces.sedurch.

Eine genaue Kenntniss über die Zeitverhältnisse, in welchen sich das Wachs-thum des Spulwurms vollzieht, besitzen wir noch nicht. Zweifellos vergehen aber mehrere Monate (etwa ein halbes Jahr), bevor derselbe seine volle Körpergrösse er­langt hat. Mit einiger Wahrscheinlichkeit kann die gesummte Dauer seines parasi­tären Aufenthaltes im Darm auf etwa 9 Monate veranschlagt werden. An eine be­stimmte Jahreszeit scheint die Aufnahme der Embryonen nicht gebunden zu sein. Es gönnen dahor ausgewachsene Ascariden jederzoit bei einem Pferde vorkommen.

Der Spulwurm dos Pferdes hat hornige Lippen, welche mit kleinon Zähnchon bosotzt sind. Hierdurch wird 'derselbe befähigt, leichte Ver­letzungen an der Darmschleimhaut zu machon und solbst die Darmwand zu durchbohren. Letzteres geschieht indess der Erfahrung gemäss nur in sehr seltenen Fällen. Für gewöhnlich bringt das Schmarotzorthum der Ascaris mogalocophala keine Üasionen der Darmschleimhaut mit sich. Bei älteren Pferden wird auch die Verdauung der Regel nach nicht ge­stört. Dagegen ist anzunehmen, dass Fohlen öfter durch die Spulwürmer mit einem chronischen Darmkatarrh und Appetitmangel behaftet werden, so dass sie im Nährzustande drheblich zurückgehen. Gerlach meint, dass das Schmarotzorthum der Ascariden ausnahmsweise eine vollständige Kachexie herbeiführen könne. Einen derartigen Krankheitsfall habe ich nicht beobachtet. Sind die Würmer in grosser Zahl vorhanden, so können sie sich im Dünndarm zusammenknäueln und eine Darmver­stopfung mit tödtlichem Ausgange verursachen. Nach der thatsächliehen Erfahrung ist indess anzunehmen, dass dies weit seltener vorkommt, als vielfach geglaubt wird. — Durch die Bewegungen der Ascariden an der Darmschleimhaut werden zuweilen auf reflectorischem Wege besondere Symptome ausgelöst. Dahin gehört das „Flehmen" oder „Flennen", welches die kolikkranken Pferde nicht selten bekunden, wenn sie Spul­würmer im Darmkanal beherbergen. — Nicht so sicher ist zu entscheiden, ob krampfhafte Affectionen in der Kopf-, Hals- und Schultermuskulatur mit dem Schmarotzerthum resp. mit den Bewegungen der Spulwürmer an der Darmwandung in ursächlichem Zusammenhange stehen können. Gerlach (Ger. Thierheilk., 2. Aufl., S. 651) bespricht einen Krank­heitsfall dieser Art, ohne indess die Frage als ausgemacht zu betrachten: „Ein gesundes Pferd bekam plötzlich Schwindelzufälle, dann Gehirn­krämpfe und starb nach einigen Stunden. Die Obduction ergab Nichts, als gänzliche Anfüllung des Dünndarms mit grossen, 10—15 Zoll langen Spulwürmern".

loh habe nur einen Fall von Krämpfen beobachtet, der reflectorisch durch Asca-riden bedingt sein konnte. Eine vierjährige Stute — leichtes Arbeitspferd — er­krankte vorberichtlich am Nachmittage des 11. April 1873 an Krampfanfällen und wurde am folgenden Tage in die Klinik eingestellt. Sie bekundete in ungleichen Zwischenzeiten von einigen Stunden krampfhafte Contractionen in den Beugern des Halses und in den Muskeln der Vordergliedmassen. Das Pferd brachte beide Vorder­gliedmassen in flectirter Stellung nach vorn, krümmte den Hals und zog den Kopf bis zum Pussboden oder bis an die Carpalgelenke. Verdrehen der Augen mit Hervor­treten des Blinzknorpels. Tetanische Contractionen in den Lippenmuskeln sowie in den gemeinschaftlichen Kopf-Hals-Armmuskeln und in den Brustkinnbackenmuskeln. Im Laufe eines Tages traten 4 Krampfanfälle dieser Art auf, die ungefähr eine Mi­nute anhielten. Der verewigte Geheimrath Gerlach war mit mir der Ansicht, dass diese Krämpfe durch Ascariden verursacht sein könnten. Demgemäss wurde das Pferd mit Tart. stib. und Aloe behandelt, worauf 21 ausgewachsene Spulwürmer zur Ent­leerung kamen. Das Pferd war am nächsten Tage hergestellt und ist auch in der Folge gesund geblieben. — Dass diese Beobachtung nicht ausreicht, um den Zu­sammenhang der Krämpfe mit dem Schmarotzerthum der Ascariden einwandsfrei dar-zuthun, gebe ich zu. Wahrscheinlich ist aber, dass die Würmer in einzelnen Fällen Reflexkrämpfe verursachen können.

Einen ähnlichen Krankheitsfall, der ebenfalls mit Genesung endete, hat Fre-minet (Reo. de med. vet., 1864) mitgetheilt.