Bei der Entstehung der Kolik (Wurmkolik) können die Spulwürmer als wesentliche Ursache nur dann angesehen werden, wenn sie in grosser Zahl vorhanden sind, oder sich zu förmlichen Knäueln im Dünndarm verwickelt haben. Es ist für die Aetiologie der betreffenden Krankheits­fälle stets zu berücksichtigen, dass Pferde, welche einige Spulwürmer beherbergen, gerade so gut, wie andere Pferde nach verschiedenen Ur­sachen und namentlich nach ungeeigneter Fütterung an Kolik erkranken können. Nicht selten bedingen aber die Spulwürmer einzelne Symptome der kolikkranken Pferde (Flehmen und gestreckte Stellung des Körpers) und ausnahmsweise lassen sich dieselben nach den Sectionsbefunden als die Ursache des Todes mit Sicherheit beschuldigen. Abgesehen von der schon wiederholt erwähnten knäuelartigen Verstopfung des Darms durch Spulwürmer ist in dieser Hinsicht noch anzuführen, dass die Parasiten die Darmwand durchbohren können. Indess ist ausser der interessanten Publication von Zorn (Adam's Wochenschr., 1879, S. 357) hierüber eine sichere Thatsache nicht bekannt. Unmotivirt erscheint die Beschul­digung der Parasiten, wenn eine frische Ruptur des Magens oder eines Darmtheils gefunden wird und neben den Spulwürmern Futterstoffe in die Bauchhöhle gelangt sind. In diesen Fällen ist die Perforation des Magens oder Darms durch andere Ursachen bewirkt worden. Dagegen consta-tirte Zorn in zwei Fällen, dass Spulwürmer die Wandung des Dünn­darms an dem Gekrösansatz derartig durchbrochen hatten, dass zwischen beiden Gekrösplatten ein Hohlraum von 10 resp. 16 Otm. Durchmesser entstanden war, welcher Eiter, Futterstoffe und Spulwürmer ent­hielt. Die Höhle, welche durch Auseinander weichen der Blätter des Dünndarmgekröses sich gebildet hatte, war nach der Bauchhöhle durch­gebrochen. Beide Pferde erlagen der hierdurch bedingten diffusen Peri­tonitis. In einem Falle waren 29 Spulwürmer aus der Höhle in den freien Raum der Bauchhöhle gelangt, während bei dem zweiten Pferde die intramesenteriale Höhle neben Heu- und Strohpartikelchen 2 Spul­würmer enthielt, von welchen einer in der nach der Bauchhöhle führen­den Oeffnung sichtbar war. An der kranken Partie des Gekröses fanden sich im Dünndarm noch 8 gleichgrosse Spulwürmer.


Diagnose

Das Vorhandensein der noch im Wachsthum begriffenen Spulwürmer giebt sich bei den betreffenden Pferden durch bestimmte Erscheinungen nicht zu erkennen. Selbst wenn das Schmarotzerthum zahlreicher Ascariden eine chronische Dyspepsie bedingen sollte, so lässt sich in dem Verhalten der Patienten Nichts ermitteln, was der Erfahrung gemäss auf die Wirkung der Parasiten mit einiger Wahrscheinlichkeit bezogen werden könnte. Einen bestimmten Anhalt gewinnt die Diagnose erst durch die Ausscheidung von einzelnen Spulwürmern aus _ dem Darm. Indess lässt sich aus der Zahl der an einem oder an mehreren Tagen mit den Excreraeuten entleerten Exemplare nicht annähernd beurtheilen, ob und wie viel Spulwürmer sich im Darm noch befinden.


Prognose und Therapie.

Die Ausscheidung einiger Ascariden aus dem Darm deutet noch nicht auf das Bestehen eines erheblichen und für das betreffende Pferd gefährlichen Krankheitszustandes. Ueberhaupt entsteht durch den Parasitismus der Spulwürmer nur selten eine Störung der Ge­sundheit resp. eine tödtliche Krankheit. Gleichwohl sind die Gefahren bedeutend genug, um vom thierärztlichen Standpunkte die Einleitung einer Cur zu rechtfertigen. — Haben die Spulwürmer ihre vollständige Grösse, d. h. ihr naturgemässes Alter erreicht, so gelingt die Abtreibung der­selben relativ leicht. Schwierig und oft erfolglos ist aber die Cur, wenn die Würmer noch nicht ausgewachsen sind. Dann haften sie so fest an der Darm Schleimhaut, dass sie auch durch eine sehr starke Peristaltik des Darms nicht von ihren Wohnsitzen entfernt und weiter befördert werden können.

Unter den Heilmitteln (Anthelmintica) hat der Tart. stib. als eines der wirksamsten seit langer Zeit einen gewissen Ruf. Man giebt den­selben nach dem Alter und der Grösse der Pferde zu 5,0—15,0 Gramm, am besten im Trinkwasser, nachdem die Thiere einen Tag hindurch nicht getränkt worden sind. Am nächstfolgenden Tage ist eine volle Dosis der Aloe zu verabreichen. Als Abführmittel kann auch Physostigmin versucht werden. — Vortheilhaft erweist sich in vielen Fällen die Arsenik-cur. Acidum arsenicosum wird 1—2 Wochen hindurch täglich zu 1,0 bis 2,0 Gramm mit dem Futter, oder in Mehlpillen mit Zusatz von Natr. chloratum gegeben. — Nicht selten hat die Anwendung von Flores Ciriae oder von Rhizoma Filicis (50,0—100,0 pro die) in Latwergenform gute Erfolge. Wo es auf den Preis der Medicamente nicht ankommt und die gewöhnlichen Mittel nicht ausreichend erscheinen, sind die zur Abtreibung der Bandwürmer erprobten Präparate zu versuchen: Flores Koso (8,0 bis 15,0), Kamala (5,0—10,0). Diese Mittel können einzeln oder zusammen in entsprechenden Dosen mit Rhizoma Filicis und Honig in Latwergen­form zur Anwendung kommen. Zweckmässig wird einige Stunden nachher die beschleunigte Entleerung des Darms durch Aloe oder


Physostigmin bewirkt.