Weniger häufig, als in den Grimmdarmarterien, wird die embolische Verstopfung in der oberen oder unteren Blinddarmarterie gefunden. Da beide Gefässe nicht mit einander in Verbindung stehen, so kann eine Compensation der Störung nicht eintreten. Die krankhaften Folgen am Coecum sind im Wesentlichen dieselben, wie sie am Colon eintreten. Etwas häufiger aber, als an letzterem, wird bei den Sectionen die Nekrose der Darmwand in dem Umfange einer Handfläche gefunden.
Von der embolischen Verstopfung durch kleine Pfropfe aus dem Thrombus im aneurysmatischen Stamme der vorderen Gekrösarterie sind die Aeste der Dünndarmarterien oft betroffen. Da aber die Anastomosen dieser Arterien sehr vollständig sind, so gleichen sich die
Störungen der Oirculation durch die Entwickelung collateraler Bahnen in der Regel wieder aus, ohne Krankheitserscheinungen zu bedingen. Bollinger hat zuerst die Aufmerksamkeit auf die Embolie der Dünndarmarterien gelenkt. Auch Lustig (Hannov. Jahresb., VIII., 1875) hat auf dieselben hingewiesen und zugleich erwähnt, dass bei ganz gesunden Pferden die Residuen günstig verlaufener embolischer Verstopfungen in den Arterien des Darms gefunden werden. Ich habe in Ueberein-stimmung mit diesen Angaben bei den im pathologischen Institut der hiesigen Thierarzneischule ausgeführten Sectionen häufig wahrgenommen, dass eine grössere Zahl von Dünndarmarterien durch abgelaufene embolische Zustände vollständig obliterirt war, und zwar bei Pferden, die an einer Störung der Verdauung resp. an Kolik nicht gelitten hatten. Im Gekröse entsteht hierbei stellenweise eine bindegewebige Verdickung.
Zuweilen führt die Embolie zwischen den Gekrösblättern am Dünndarm zur Gefässruptur und zu erheblichen Blutergüssen.
Wenn die» durch Embolie der Dünndarmarterien bedingte Darmkrankheit einen verzögerten Verlauf nimmt, so entsteht in einzelnen Fällen eine secundäre Thrombose in den Dünndarmvenen und in der Pfortader mit tödtlichem Ausgange. Einen Krankheitsfall dieser Art hat Gerlach (Gerichtl. Thierh., 2. Aufl., 1872., S. 531) beschrieben. Auch Bollinger hat in seiner Monographie (1870) das Zustandekommen der Pfortader-Thrombose erläutert.
Tödtlich wird die Verstopfung einer Dünndarmarterie ferner, wenn die Blutzufuhr zu der Wandung des betreffenden Darmstückes vollständig verlegt ist und letzteres in Folge dessen der Nekrose verfällt. Soweit meine Erfahrung reicht, ist indess diese Erkrankung, von welcher ich einen Fall in Kürze mittheilen will, nicht häufig.
Kolik mit protrahirtemVerlauf, Lähmung des Gastro-Intestinaltractus und tödtlichem Ausgange. — Aneurysma und Parietalthrombose der vorderen Gekrösarterie; Thrombose einer grösseren Dünndarmarterie; Embolie und Thrombose eines Zweiges derselben, in dessen Stromgebiet der Leerdarm der Nekrose verfällt. Entzündliche Verklebung des nekrotischen Darmstückes mit der Nachbarschaft. Diffuse oberflächliche Peritonitis. — Verlagerung des Grimmdarms. Serös-hämor-rhagische Infiltration und Entzündung der Schleimhaut im Leerdarm
und Grimmdarm. Acht Jahre alter, mastig genährter "Wallach — Arbeitspferd dänischer Race — erkrankte am 17. Januar 1885 unter den Symptomen einer leichten Kolik. Nach dem Berichte des Thierarztes Hartmann hierselbst hatte das Pferd bis zum 20. Januar eine Pulsfrequenz von 60 in der Minute, venöse Färbung der Schleimhäute, Inappetenz, geringe Neigung zur Aufnahme von Getränk, auch öfteres Scharren mit den Vordergliedmassen gezeigt, zeitweise aber ruhig gelegen. Darmexcremente waren nur spärlich entleert. Die Behandlung mit Aloe und Wasser-Infusionen in den Mastdarm hatte keinen Erfolg gehabt.
Am 21. Januar wurde das Pferd in die Klinik gebracht. Befund: Starker Kräfteverfall, stierer Blick, allgemeiner Schweissausbruch, massige Unruhe, Bauchumfang nicht vergrössert, Scharren mit den Vorderhufen, öfteres Niederlegen und Wiederaufrichten, venöse Färbung der Conjunctiva, dunkle Röthung der Maul- und Nasenschleimhaut: Puls 92, sehr schwach; Respiration 25, oberflächlich, mit dyspnoischer Erweiterung der Nase; Temperatur 39,5. Futter und Getränk wurden vollständig versagt. Darmperistaltik war nicht zu vernehmen. — Die Behandlung mit Physo-stigmin blieb erfolglos. Nach 10 Stunden ging der Patient ein.
Section am 22. Januar im pathologischen Institut (Lüpke): In den Blutgefässen und im Herzen dunkles, theils flüssiges, theils theerartig geronnenes Blut. Die Bauchhöhle enthält eine geringe Menge trüber, röthlich gefärbter Flüssigkeit. Peritoneum diffus geröthet, rauh und glanzlos. Die Beckenflexur des Grimmdarms ist verlagert (umgeschlagen) und befindet sich hinter dem Magen. — Der Leerdarm ist an einer kleinen Partie (7 Meter vom Magen entfernt) mit dem Gekröse und mit einer anderen Dünndarmschlinge fest verklebt. Durch vorsichtiges Ziehen gelingt die Trennung. Das betreffende Stück liegt im Stromgebiet einer Dünndarmarterie, welche Ctm. vor ihrer Theilung thrombotisch verlegt ist. Der Thrombus erstreckt sich in den Theilast, von welchem kleine Zweige nach dem nekrotischen Darmstück führen. Einer der letzteren ist obliterirt, ein zweiter durch frische, obstruirende Thrombose verschlossen. An der Stelle, wo diese Gefässe aus dem Gekröse an den Darm treten, beginnt die Nekrose. Das mortificirte Stück hat zu beiden Seiten am Gekrösansatze die Form einer stumpfen Spitze und an dem, der Gekrösanheftung gegenüberliegenden Theil der Darmwand eineLängevon 15Ctm. Von der Nachbarschaft setzt sich das nekrotische Stück durch einen schwarzrothen Rand scharf ab; es ist an der peritonealen Fläche trübe und zähe, die Schleimhaut schmutzig-gelb und sehr mürbe. Weiterhin erscheint die Schleimhaut des Leerdarms blaurotb und stark infiltrirt. In den entfernten Partien ist dieselbe nicht entzündlich erkrankt.
Dickdarm massig gefüllt, Inhalt von breiiger Consistenz. In den von der Verlagerung betroffenen linken Lagen des Grimmdarms ist der Futterbrei mit Blut gemischt, die Mucosa mit der Submucosa in grosser Ausdehnung serös-hämorrhagisch infiltrirt. Die Grimmdarmarterien sind vollständig wegsam.