Pallisadenwürmer im Gehirn.

In der Literatur sind zwei wohlconstatirte Fälle mitgetheilt, in welchen durch das Eindringen des Strongylus armatus in das Gehirn der Tod der Pferde verursacht wurde. Albrecht (Magaz., 1872, S. 177) berichtet von einem siebenjährigen Wallach, dass derselbe während der Arbeit plötzlich taumelnde Bewegungen gezeigt, den Kopf gesenkt und nach rechts gehalten habe, demnächst niedergefallen und bewusstlos ruhig liegen geblieben sei. Bei der Section fand sich das Gehirn sehr blutreich; die Seitenkammern waren mit klarer Flüssigkeit massig gefüllt. In der Marksubstanz der linken Halbkugel 4 Blutcoagula, im Hirnknoten und im kleinen Gehirn je ein starkes Blutcoagulum. Das Coagulum im kleinen Gehirn enthielt einen Strongylus (nach der Feststellung des Geheimraths Gurl't ein ausgebildetes, in der Häutung begriffenes weibliches Exemplar). — van Heill (Thierarzt, 1873, S. 88) behandelte ein dreizehn­jähriges Ackerpferd, welches vorberichtlich für dummkollerkrank gehalten war, aber stets gut gearbeitet hatte. In der Arbeit vor dem Pfluge zeigte es plötzlich ein tob­süchtiges Benehmen und schlug mit dem linken Hinterfusse nach dem Kopfe. Der Anfall dauerte 1/i Stunde. Am folgenden Tage wiederholten sich die Anfälle, welche sich 8 Tage hindurch mit zunehmender Heftigkeit und immer häufiger einstellten. Sonst bekundete das Pferd Depression des Bewusstseins und taumelnde Bewegung. Es wurde als unheilbar getödtet. — Autopsie: Blutüberfüllung im Gehirn und Blut-austretungen in den Adergefiechten, in der Mitte der rechten Hemisphäre auf der Rindensubstanz des Gehirns ein sich frei bewegendes Exemplar des Strongylus armatus.


Behandlung.

Die Vernichtung der Strongyluslarven im Körper der Pferde ist unmöglich. Es giebt kein Mittel, mit welchem der Para­sitismus derselben in den Arterien aufzuhalten oder zu beseitigen wäre. — Ueber die Behandlung der durch die Thromben in den Eingeweidearterien herbeigeführten Krankheiten des Darms, der Leber und der Nieren werde ich später bei den betreffenden Oapiteln Näheres mittheilen.

Auch für die Prophylaxis lässt sich eine wirksame Massregel in der Haltung und Ernährung der Pferde nicht anordnen. Bollinger meinte gewiss richtig, dass es von grösster Wichtigkeit sei, die mit derNahrung erfolgende Aufnahme der Strongylus-Embryonen zu verhindern. Allein bei dem grossen Verbreitungsbezirk des Strongylus armatus und bei der ungeheuren Zahl von Eiern, welche die Parasiten produciren, scheint diese Forderung geradezu unerfüllbar zu sein. Die Gelegenheit zur Aufnahme der Embryonen findet sich zweifellos so vielfach, dass die Modification in der Fütterung und Tränkung der Pferde einen Nutzen nicht haben kann.


Capitel XXXII. Bremsenlarven. Gastruslarven.

Die Gattung der Brems fliege oder Dasselfliege (Gastrophilus, Gastrus) schwärmt vom Mai bis October, vorzugsweise aber vom Juni bis August. Soweit die Entwickelung der Larven in dem Körper des Pferdes erfolgt, sind folgende 4 Species von Interesse: 1. Gastrophilus equi; 2. Gastrophilus pecorum; 3. Gastro­philus haemorrhoi'dalis; 4. Gastrophilus nasalis.

Die befruchteten weiblichen Exemplare der Bremsfliege setzen die reifen Eier auf die Haut der Weidepferde ab, besonders an der vorderen Körperhälfte. Vermöge ihrer klebrigen Umhüllung haften die Eier an den Haaren ziemlich fest. Bei den dunkelbehaarten Weidepferden finden sich dieselben an den Vordergliedmassen, am Halse, an der Mähne und an den Tasthaaren des Kopfes oft in sehr grosser Zahl. Durch Ablecken und mit dem Futter nehmen die Pferde theils die Eier, theils die schon vorher aus den Eiern geschlüpften Embryonen (Larven) auf. Die naturgemässe Entwickelung der Larven erfolgt in der Digestionsschleimhaut und vorwaltend im Magen. Zu ihrer vollständigen Ausbildung ist eine Zeit von 10—13 Monaten erforder­lich. Sie verlassen demnach im Sommer ihre Sitze und gelangen mit den Excrementen nach aussen. Zum Theil hängen sie sich hierbei noch einige Tage im After fest.